Willkommen bei der Materialkunde. Hier erfahren Sie alles was Sie über das Thema Sehnengarn und Sehnenmaterial wissen müssen.
Hier will ich versuchen ein paar Missverständnisse und Desinformationen richtig zu stellen, aufzuklären und Informationen im Bereich der Bogensehne zu geben.
Es gibt immer wieder Bogenschützen die mich fragen, wann man eine Sehne austauschen sollte. Diese Frage lässt sich pauschal und über Ferndiagnose leider nicht beantworten.
Um eine fachkundige Beurteilung abzugeben, muss ich die Sehne optisch und haptisch betrachten, denn es haben mehrere Faktoren Einfluss darauf.
Dies sind alles Faktoren welche die Lebensdauer der Sehne beeinträchtigen und ausschlaggebend dafür sind wann man eine Bogensehne ersetzen sollte.
Daher meine klare Empfehlung:
Die Sehne bei regelmäßigem Gebrauch mindestens einmal im Jahr austauschen, als einen Bogenbruch zu riskieren welcher deutlich teurer wird als eine neue Sehne.
Es erstaunt mich immer wieder, dass Bogenschützen welche einen, vom Hersteller für Fastflight freigegebenen Bogen nutzen, aber dennoch bedenken haben eine Fastflight- Sehne auf ihrem Bogen zu schießen.
Liebe Schützen, wenn eure Bögen für Fastflight freigegeben sind, dann dürft Ihr auch Fastflight- Sehnen aufspannen.
Oftmals ließt oder hört man Gerüchte, in welchen Fastflight- Sehnen Schuld daran sein sollen, dass ein guter Bogen gebrochen ist, oder es den Bogen stärker belasten würde. Auch dies kann ich in meiner langjährigen Erfahrung als Bogenschütze und Sehnenbauer nicht bestätigen.
Wenn ein Bogen nicht für Fastflight frei gegeben ist, liegt das zu 95% daran, dass der Bogen keine harten Materialien in den Wurfarmtipps, wie z.B. Mycarta, Horn, Knochen o.ä besitzt. Falls die Tips tatsächlich zu weich für Fastflight sein sollten und die Gefahr besteht, das Sehnengarn könnte in das weiche Holz einschneiden, kann ich das dünne Fastflight- Sehnenmaterial an den Öhrchen entweder auffüttern, oder mit Mittelwicklungsgarn umwickeln, was ein einschneiden gänzlich ausschließt.
Allerdings haben die heutigen modernen Bögen zu 90 % Wurfarmtipps aus harten Materialien, oftmals Mycarta oder vergleichbares Material. Diese Bögen können somit gefahrlos mit Fastflight- Sehnen geschossen werden.
Unzählige Kunden, Freunde und Bekannte Schützen schießen nunmehr seit vielen Jahren auf nicht für Fastflight freigegebenen, recht günstigen Bögen (zwischen 80 und 200€) sehr erfolgreich und ohne jegliche Komplikationen eine Fastflight- Sehne.
Die Folgen:
Ich kann nur positive Eigenschaften feststellen. Ich habe einen Test mit einem nicht Fastflight tauglichen Samick Polaris bezüglich der ballistischen Flugbahn gemacht. Der besagte Bogen hatt ein Zuggewicht von 34#. Als Pfeile dienten die Easton Inspire 600 mit einer 80 Grain Spitze und 3 Zoll Shield Federn. Diesen Bogen rüstete ich mit einem Visier aus, welches ich auf eine Entfernung von 40 Meter zuerst mit einer 12 Strang Dacron- Sehne einschoss, so dass die 6 geschossenen Pfeile alle ins Zentrum trafen. Anschließend schoss ich mit dem vorher eingeschossenen Visier wiederum mehrmals 6 Pfeile, dieses mal allerdings mit einer 12 Strang Fastflight- Sehne.
Mein Ergebnis lautet: Mit der Fastfligh- Sehne saßen alle Pfeile ca. 20 - 25 cm höher als mit der Dacron- Sehne. Dies soll verdeutlichen welch ein Zugewinn eine Fastflight- Sehne bringt, und das schon, oder besser gesagt vor allem im unteren Bereich der Zuggewichte wie z.B. bei Kindern, Frauen, Senioren oder Bogenschützen mit Handicap.
Ich denke dieser Test zeigt deutlich, welch ein Zugewinn mit Fastflight- Sehnen möglich ist. Besonders bei schwächeren Bögen besteht damit die Möglichkeit eine deutlich flachere Flugbahn zu schießen, was vor allem das instinktive Schießen enorm erleichtert.
Viele Schützen investieren viel Zeit und Mühe ihr Bestes beim Bogen-Setup zu geben, und wollen eine immer noch flachere Flugbahn erreichen. Sie entscheiden sich für den "immer noch leichteren Pfeil", und lassen die die Sehne komplett außer betracht. Ein "zu leichter Pfeil" beschädigt den Bogen viel eher als eine Fastflight- Sehne.
Auch mit der Anzahl der Sehnenstränge wird gerne und oft übertrieben, dies führe ich zum einen auf die Unwissenheit der Schützen, zum anderen auf die Übertreibung anderer Sehnen, bzw. Bogenhersteller zurück.
Oft hab ich gehört: Mach mir bitte eine 20 Strang Fastflight- Sehne für meinen 30# Bogen, oder Sehe neue Bögen welche mit einer über 20 Strag Sehne ausgeliefert werden.
Zur Aufklärung:
Dacron B50 und Fastflight, so wie alle anderen heute erhältlichen Sehnengarne wie etwa B55, Xcel, 652 Spectra, 8125, 452X, 8190 etc. bestehen aus Kunstmaterial, und werden maschinell hergestellt und geprüft. Somit sind Materialschwächen oder Unregelmäßigkeiten im Material so gut wie ausgeschlossen.
Ein Strang Dacron B50 hält einer Belastung von 30 Pfund stand.
Dies bedeutet, dass ein Bogen mit einem Zuggewicht von 30 Pfund rein theoretisch mit einer 3 Strang Sehne geschossen werden kann, ohne dass die Sehne bricht. Hier sind Sie mit einer Sehne zwischen 8 und 14 Strängen je nach Zuggewicht Ihres Bogens auf der sicheren Seite und gut aufgehoben.
Ein Strang Fastflight hält einer Belastung von 90 Pfund stand.
Dies bedeutet also, man könnte einen Bogen mit 90 Pfund Zuggewicht theoretisch mit einer Fastflight Sehne die aus 3 Strängen besteht schießen. Genau so gut könnte man einen Bogen mit 30 Pfund mit nur einem Strang Fastflight schießen, ohne dass die Sehne bricht.
Gerade bei Fastflight wird mit den Strängen extrem übertrieben, und die Sehnen aus Fastflight sind meist bei gleich starken Bogen noch dicker als Dacron- Sehnen. Auch hier sind Sie mit einer Sehne zwischen 8 und 14 Strängen je nach Zuggewicht Ihres Bogens auf der sicheren Seite und gut aufgehoben.
Dann gibt es noch das Gerücht, eine dicke Sehne würde einen Bogen mehr dämpfen als eine dünne Sehne, da sich eine dickere Sehne etwas mehr dehnt als eine dünne.
Dazu stellen Sie sich bitte einmal vor:
Ziehen Sie an einem Strang Sehne, Seil oder was Sie gerade zur Hand haben und Sie werden feststellen es dehnt sich nicht. Nun nehmen sie 20 Stränge desselben Materials und wiederholen den Test.
Auch jetzt dehnt es sich nicht. Es spielt somit keine Rolle, ob Sie einmal keine Dehnung haben oder 20 mal keine Dehnung haben, denn keine Dehnung bleibt keine Dehnung.
Hinzu kommt noch dass eine dicke Sehne mehr Masse besitzt als eine dünne. Aus dem Physikunterricht wissen wir dass Masse träge ist, und immer in dem Zustand verbleiben möchte in welchem sie sich aktuell befindet. Entweder ruhend, oder in Bewegung. Je mehr Masse eine Sehne hat, desto langsamer wird diese sein, und desto stärker und länger wird die Sehne nach dem Schuss nachschwingen.
Scheuen Sie sich nicht davor, einmal eine dünnere Sehne aufzuspannen. lassen Sie sich überraschen wie gut das Schussgefühl mit dieser dünneren Sehne ist und wie Ihre Pfeile etwas schneller nach vorn schießen.
Eines ist Gewiss, eine gute Sehne ist nicht alles,
aber ohne eine gute Sehne kann alles nichts sein.